Musiksalon "Lied und Kunst". Wird uns wieder wohl vereinen frischer Ost und frischer West? Begegnungen von Iwan Turgenew und Theodor Storm. Julia Sukmanova, Sopran Elena Sukmanova, Klavier Dr. Niels Graf von Waldersee, Wort

Es geht in diesem Musiksalon „Lied & Kunst“ um musikalische Expeditionen, um Lieder nach Texten zwei großer und ungleicher Dichter. Daneben erklingen Kompositionen aus ihrer Zeit, und gelesen werden Passagen aus den Werken des großen Russen und seines deutschen Freundes. Der Abend erzählt von einer Verbindung, die eines Tages endete.

Der Bauern- und Bürgersohn Theodor Storm wurde in der norddeutschen Kleinstadt Husum geboren, der hochadelige Iwan Turgenew auf Schloss Spasskoie im russischen Oriol. Storm wuchs als Advokatensohn in einer von Liebe getragenen Atmosphäre auf und blieb sein Leben lang ein Familienmensch. Turgenew, elterliche Liebe nie kennenlernend, führte seine Erdentage als weltreisender Lebemann. Beide Dichter dachten politisch, was ihnen verübelt wurde – die Zwei mussten darüber sogar ihr Land verlassen. Lange vor ihrem einmaligen Treffen im Jahre 1865 wussten sie voneinander und schätzten gegenseitig ihre jeweiligen Werke hoch. Sie liebten die Natur über alles und ließen sich von ihr inspirieren. Ihr jeweiliger Blick auf den Menschen war von Bedeutung, wenn dieser auch im Kontext zur Natur in ihrem Werk ein unterschiedlicher war. Noch heute gilt der russische Turgenew als Meister der Seelenkunde, der deutsche Storm als Erschaffer der psychologischen Problemnovelle. Am besten gelingen darüber beiden Poeten die Beschreibungen von Frauen und Mädchen mit ihren Schicksälen im neunzehnten Jahrhundert.

Die ARD Preisträgerin, deutsche Sopranistin Julia Sukmanova, Preisträgerin mehrerer Klavier- und Kompositionswettbewerbe, ist Absolventin des Konservatoriums in St. Petersburg. Als Konzertpianistin und Kammermusikerin führte sie in Freiburg(Breisgau) bei Prof. Markus Goritzki das Gesangstudium fort. Gesangspädagoginnen und Sängerinnen wie Montserrat Caballé, KS. Brigitte Fassbaender und Margreet Honig haben sie maßgeblich beeinflusst. Mit breitem Repertoire ist Julia Sukmanova regelmäßiger Gast auch auf den Lied- und Konzertpodien und hat sich als Liedinterpretin einen Namen gemacht.

Die Pianistin Elena Sukmanova ist eine gefragtesten Liedbegleiterinnen. Sie ist Preisträgerin internationaler Wettbewerbe, Absolventin des N.A. RimskyKorsakov-Konservatoriums in St.Petersburg. Die Künstlerin lebt in Hamburg und unterrichtet am Johannes-Brahms-Konservatorium.

Den musikalischen Gesprächsfaden des Musiksalons hält Dr. Niels Graf von Waldersee. Geboren in Schleswig Holstein studierte er in Paris und Hamburg Medizin. Er arbeitet in eigener Praxis als Arzt für HNO-Heilkunde und ist außerdem Facharzt für Stimme, Sprache und für kindliche Hörstörungen. Im Jahre 1984 produzierte er als Student eine CD mit Liedern von Mozart, Strauss und Wolf mit Arleen Auger und Irwin Gage bei CBS. 2008 veröffentlichte er seine umfangreiche Arbeit „Ach ich fühl’s. Gewalt und die hohe Stimme“ bei dem Kulturverlag Kadmos. Darin geht es um die bis dahin so gut wie noch nie beachtete Diagnose des nicht vollzogenen Stimmbruchs der Frau. Waldersees Hauptinteressen gelten, wie auch in seinem Buch, den Zusammenhängen zwischen sozialpolitischer Prägung und Bildung, der Kunst, menschlicher Stimme und der Medizin.

Programm:

J. Brahms / Th. Storm „Über die Heide“

J. Brahms Intermezzo op. 116 Nr. 6

W. Kienzl / Th. Storm Strom – „Meine Mutter hat’s gewollt“

C. Schumann / H. Heine – „Lorelei“

P. Viardot / I. Turgenev – „ Die Lösung“

G. Stolz / Th. Storm – „Als ich ihn gesehen“

P. Viardot / A. Puschkin – „Der Gefangene“

A. Dubuque/ I. Turgenev – Romanze aus der Novelle „Adelnest“

P. Viardot / A. Puschkin – „Der nächtlicher Zephir“

P. Viardot / E. Mörike – „Nixe Binsefuss“

J. Brahms – „Wie Melodien zieht es mir“ op. 105

P. Viardot / E. Giebel – „Im April“

 Pause

J. Brahms Intermezzo op. 118 Nr. 2

A. Berg / Th. Storm – „Das macht, es hat die Nachtigall …“

P. Viardot / A. Puschkin – „Alter Mann, schrecklicher Mann…“

P. Viardot / J. W. von Goethe – „Vor Gericht“

M. Glinka / A. Puschkin – „Ich erinnere mich an einem schönen Augenblick…“

H. Hermann / Th. Storm op. 40 Nr. 6 – „Die Nelken“

Baron Hans von Bloom / Storm – „Die Nelken“

P. Viardot / I. Turgeneev – „Abschied”

R. Trunk / Th. Strom op 40 Nr 3 – „Die Stadt“

P. Tschaikowsky / J. W. von – „Nur wer die Sehnsucht kennt“

F. Liszt / F. Freiligrath – „O lieb“

 

Karten 15  Euro/erm. 10 Euro

Konzertkasse Gerdes / 040 – 44 02 98 / Alle Vorverkaufsstellen

per E-Mail info@tsaal.de